Ein Tag mit der Kunstvermittlung

Kunstvermittlung erklärt nicht, beschreibt nicht, zerredet nicht. Nicht mehr. Viel mehr hat sich die Aufgabe der Kunstvermittlung in Museen wie dem Karikaturmuseum Krems dahingehend gewandelt, Ideen und Geschichten des Publikums zuzulassen und zu begleiten. Dabei steht nicht primär der historische, wissenschaftliche oder kunsthistorische Inhalt im Vordergrund, sondern die Betrachtung. Haben Sie sich in letzter Zeit ein Original angesehen?  © Lucia Täubler, Kunstvermittlung Kunstmeile Krems

© Kunstmeile Krems, 2017.

Experiment kulturelle Bildung

Kunstvermittlung erklärt nicht, beschreibt nicht, zerredet nicht. Nicht mehr. Viel mehr hat sich die Aufgabe der Kunstvermittlung in Museen wie dem Karikaturmuseum Krems dahingehend gewandelt, Ideen und Geschichten des Publikums zuzulassen und zu begleiten. Dabei steht nicht primär der historische, wissenschaftliche oder kunsthistorische Inhalt im Vordergrund, sondern die Betrachtung. Haben Sie sich in letzter Zeit ein Original angesehen? Haben Sie versucht es zu analysieren? Wie genau haben Sie hingesehen? Vielleicht entdeckten Sie ein Detail im Hintergrund einer Zeichnung, das Sie noch nie zuvor gesehen haben. Alleine das Sehen und Zeit Nehmen für genaues Hinschauen sind Tätigkeiten, die erlernt, geübt und wiederholt werden müssen.

Bildung durch aktives Tun

„Landschaften abzeichnen oder sich im Museum die Kunstwerke in einer Führung 'erklären' lassen – so sieht Kunstvermittlung heute nicht mehr aus. Die Entwicklung der Kunstvermittlung als Teil der kulturellen Bildung in Deutschland war und ist stets mit historischen und gesellschaftlichen Veränderungen und Vereinnahmungen verknüpft.“[1]

Mein Team und ich versuchen mit gezielten Fragestellungen, mit kurzweiligen Spielen und Übungen in Gruppen Sie mit dem Original zu verbinden. „Schauen Sie genau hin…“ – „Welches Material entdecken Sie?“ – „Mit welchen Techniken, denken Sie, wurde hier gearbeitet?“ Auch wir üben diese Methoden. In Klausur. Wenn sich ein ganzes Team mit sprudelnden Ideen und aus unterschiedliche Disziplinen (Sprachwissenschaftlerinnen, Literatinnen, Ökonominnen, Kunstpädagoginnen und -therapeutinnen, Kunsthistorikerinnen, usw.) an einem Tag trifft und austauscht, entstehen Projektansätze, die auf ihre Umsetzung warten. Plötzlich sind neue Medien ein Thema, alte Techniken kommen zum Vorschein und wir lernen voneinander. Jeder und jede bringt andere Voraussetzungen mit, die zum Gelingen oder Misslingen beisteuern.

© Kunstmeile Krems, Foto:Hannes Polt

In der Praxis, also mit einer Gruppe von Besucherinnen und Besuchern lässt sich dies am besten in einem Atelier aktiv probieren. Materialien anzugreifen, mit ihnen zu spielen, Techniken zu erproben oder selbst Kompositionen auf einer Leinwand oder einem Blatt Papier zu schaffen, entkräftet die Annahme vieler, nicht kreativ zu sein. Denn im Vordergrund steht ein Prozess: das Experiment. Der Ort des Ateliers soll und muss diese Möglichkeit zur Entwicklung wie in einer Laborsituation zulassen.

Eine Fabrik voll Ideen

Die ehemalige Teppichfabrik direkt neben dem Karikaturmuseum Krems bietet mit zwei großzügigen Atelierräumlichkeiten Platz, Ideen zu entwickeln, umzusetzen und wieder wegzuwerfen. Patzen, Malen, Gestalten, Werken, Austauschen, Lernen, Eintauchen, Inspirieren und inspiriert Werden stehen dort am Plan. Die persönliche Auseinandersetzung mit Materialien und Themen, die unsere Zeit betreffen, führt oftmals zu spannenden Diskussionen zwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

„Die Ansätze der kulturellen Bildung bieten eine Plattform, um gesellschaftspolitische Inhalte und demokratische Praxis mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam zu erarbeiten und dank der kreativen Bearbeitungsform sinnlich begreifbar zu machen.”[2]

Wir als Team begleiten Denkanstöße, die aus einer Gruppe heraus und mit Hilfe von Karikaturen oder originären Zeichnungen entstehen. Meist wandelt sich unsere Begleitung einer Gruppe – egal ob in den Ausstellungsräumen oder im Atelier – zum offenen Dialog für Geschichten, die erzählt, absorbiert, hinterfragt, analysiert und interpretiert werden. Vom Publikum. Denn neben den künstlerischen Objekten, Zeichnungen und Malereien ist die soziale Komponente des menschlichen Miteinanders Anstoß, weiterhin über kulturelle Bildung und ihre Wirkung auf gesellschaftliche Systeme nachzudenken.

Lucia Täubler

Leitung Kunstvermittlung Kunstmeile Krems

Veröffentlicht von Karikaturmuseum Krems

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