Die vielen Gesichter der Robert Crumb

29. 09. 2002 bis 16. 02. 2003

Anlässlich seines ersten Geburtstages zeigt das Kairkturmuseum erstmals in Österreich eine kleine Sensation: Die vielen Gesichter des Robert Crumb, der mit Fug und Recht als König des Underground-Comic und als einer der bedeutendsten Comic-Künstler des 20. Jahrhunderst bezeichnet werden darf.

Der Meister bizarrer Bildwelten hat seinen Ruf in der Hippie-Bewegung der sechziger Jahre begründet udn schließlich auch in Europa für Furore gesorgt. Dabei blieb er immer Außenseiter des gesellschaftlichen Mainstreams, öffentlichkeitsscheu bis zur Kameraphobie und am kommerziellen Erfolg nur mäßig interessiert.

Seine Vorliebe für die Musik der 20er Jahre, die individualistische und kompromisslose Selbstdarstellung in seinem Werk, das seine - exzessiv praktizierte - Möglichkeit des Selbstausdrucks ist, machen ihn zu einem der bedeutendsten Comic-Zeichner und Gegenwartskünstler, der den Vergleich mit künstlerischen Größen der Vergangenheit nicht zu scheuen braucht.

Die Ausstellung stellt einerseits mit ca. 100 Werken die Selbstwahrnehmung des 1943 in Philadelphia geborenen Zeichners dar, andererseits die vielschichtige Wahrnehmung seines Werkes von außen. Die Zuschreibungen reichen von "pornografisch" und "drogengesteuert" über den Mythos des Underground Künstlers bis zur Wertschätzung als einer der wichtigsten Vertreter amerikanischer Gegenwartskunst. Gezeigt werden neben Comic-Strip Originalblättern, Coverentwürfe diverser Magazine, Skizzen, CD Coverentwürfe und unveröffentlichte Werke.

Neben dem Werk Robert Crumbs selbst werden auch historische Bezüge aufgezeigt und die Verbindung hergestellt mit Künstlern, die Crumb selbst als die historischen Väter seiner Bildwelten nennt: Pieter Breughel d. Ä., William Hogarth, James Gillray.

Sein ästetisches Gefühl, sein handwerkliches Können und sein unglaublich treffsicherer Stil machten Robert Crumb- oft auch gegen seinen Willen - zu einer Gallionsfigur der Gegenkultur. Seine Mischung aus angepasstem und äußerst distanziertem Verhalten, seine vielschichtige und schonungslose Selbstdarstellung sowie der Ausdruck seiner Sehnsüchte, Ängste, Triebe und bizarren Phantasien durch seine Figuren sind Teil einer einzigartigen Zeichen- und Bildwelt - gleichzeitig todernst und ironisch bis zur Schmerzgrenze, teilweise darüber hinaus.

Figuren wie Mr. Natural, Angelfood McSpade, Honeybunch und natürlich nicht zuletzt Fritz the Cat repräsentieren die vielen Gesichter ihres Schöpfers, stellen gnadenlos seine sexuellen Wünsche und Sehnsüchte, seine mystischen Drogenerfahrungen, seine Fetischismen, Vorlieben und multiplen Wirklichkeiten dar. Von vielen dieser Figuren hat er sich distanziert, sie sterben und auch wieder auferstehen lassen, so als lebten sie in einem eigenen Universum bildlichen Ausdrucks.

Robert Crumb ist gnadenlos uramerikanisch, sein Werk macht nichts und niemandem etwas vor. Die Tatsache, dass er sich aus Amerika nach Südfrankreich zurückgezogen hat, wo er mit seiner zweiten Frau Aline Kominsky (die er übrigens kennenlernte weil sie ihm von einem Bekannten als Inbegriff seines in seinen Comics exzessiv dargestellten Frauentyps geschildert wurde) und seiner Tocher Sophie lebt, verstärkte nur seinen radikalen und intelligenten Blick auf die amerikanische Gesellschaft. Nichtsdestotrotz gibt es in Crumbs Werk keine Formeln, es bleibt immer experimentell und unberechenbar. Seine Vielschichtigkeit - ausgedrückt in einem für das 20. Jahrhundert äußerst charakteristischen Medium berührt die Ängste und Tabus aller und macht ihn  zu einem der bedeutendsten und kompromisslosesten Künstler der Gegenwart.

Robert Crumb: Coverentwurf "Fate Magazine"
2001
© Robert Crumb