WILFRIED ZELLER-ZELLENBERG
Russenzeit

05. 06. 2005 bis 25. 09. 2005

Das Karikaturmuseum Krems präsentiert als zweite Sonderausstellung im Rahmen des Jubiläumsjahres 2005 im Anschluss an die Ausstellung IRONIMUS, Das wahre Österreich. Gezeichnete Zeit von 1955 – 2005 eine Ausstellung des österreichischen Zeichners und Karikaturisten Wilfried Zeller Zellenberg (1910 – 1989).
Zellenberg wurde am 28. Jänner 1910 als Wilfried Heinrich Hugo Zeller Edler von Zellenberg in Wien geboren. Nach Abbruch des Studiums an der Kunstgewerbeschule begann Zeller-Zellenberg – seinen Adelstitel hatte er 1919 verloren - seine Karriere als Schnellzeichner in einem politischen Kabarett in Berlin. Ab 1933 zeichnete er in Wien für deutsche und österreichische Zeitungen.
Als politischer Mensch und Querdenker verfügte Zeller-Zellenberg über ein ausgeprägtes Gefühl für richtig und falsch. So ist es wenig verwunderlich, dass er bereits kurz nach dem „Anschluß“ im März 1938 wegen Verspottung des Reichskanzlers Adolf Hitler inhaftiert wurde.
1940 zum Militär einberufen, wurde Zeller-Zellenberg bald nach dem Einmarsch der Russen in Wien 1945 abgeholt und inhaftiert. Als die Russen seine zeichnerischen Fähigkeiten erkannten, begann er für sie als Portraitist zu arbeiten; wie lange er diese Tätigkeit ausführte, ist nicht bekannt. Allerdings entstanden bereits Ende der 40er Jahre seine ersten Buchillustrationen als freischaffender Künstler.
Zu Beginn der 50er Jahre thematisierte Zeller-Zellenberg in Form eines Buches und unter dem Titel Sie erfanden Adam… Bilder aus der östlichen Welt – von Vladimir Popoff die Zeit der Russischen Besatzungsmacht in Österreich, die er selbst so eindrücklich erlebt hatte.
Das Buch besteht aus 50 teilweise aquarellierten Federzeichnungen und Textbeiträgen, in denen sich Zeller-Zellenberg auf ironische und teils sehr kritische Weise mit dieser Thematik auseinandersetzt. Der erste Schwerpunkt des Buches gilt den russischen Erfindungen, der zweite der Befreiung, die sich auf die Zeit der russischen Besatzung in Wien bezieht.
Zu den Erfindungen zählt als eines der politisch höchst brisanten Blätter Karel Marxewitsch Dogmatov, Erfinder einer neuen, nach ihm benannten Religion, eine direkte Spitze gegen den Stalinismus. Nicht zuletzt aufgrund solcher Zeichnungen scheiterte Zeller-Zellenbergs Suche nach einem geeigneten Verlag für die Publikation des Buches im Jahr 1954. Er selbst hatte sich wohlweislich das Pseudonym Vladimir Popoff zugelegt, da er sich der Provokation seiner Arbeiten durchaus bewusst gewesen ist.

Im IRONIMUS-Kabinett des Karikaturmuseum Krems wird dieses bis heute unveröffentlichte Buchprojekt von Wilfried Zeller-Zellenberg, das nun endlich in Zusammenarbeit des Karikaturmuseums Krems mit dem Verlag Bibliothek der Provinz eine Möglichkeit der Veröffentlichung gefunden hat, präsentiert werden.

Eröffnung
Samstag, 4. Juni 2005, 11 Uhr, Karikaturmuseum Krems


Wilfried Zeller-Zellenberg: Sie erfanden Adam... Bilder aus der östlichen Welt." (Cover)
1954
© Land Niederösterreich